• Wie praktiziere ich Yoga?

    Wie praktiziere ich Yoga?

    Hatha Yoga hat zwei signifikante Unterschiede zum Sport:


    • Das Üben von Yoga ist nicht zielgerichtet, sondern der Prozess selbst ist wichtig.

    • Das Hauptaugenmerk liegt beim Körpergefühl und nicht bei der Form.

    Ich erkläre was ich damit meine

    Stellen wir uns eine Yogastunde vor: Männer und Frauen unterschiedlichen Alters, Körperbaus, Trainingsform sind im Unterricht. Vorne steht eine junge schlanke Frau – die Yogalehrerin. Sie treibt Sport seit ihrer Kindheit und ist durchtrainiert. Sie führt Yogapositionen gut aus und kann sie auch gut erklären. Heißt es aber, dass jeder das Gleiche in der Stunde leisten muss wie die Person vorne? Die Lehrerin ist fit, aber was steht dahinter? Ein lebenslanges Training! Also es ist unmöglich das Gleiche von vorne herein leisten zu können wie sie. Das Selbe gilt für die Nachbarn auf ihren Yogamatten. Einige können mehr andere weniger, aber alle sind bei einem Prozess, bei einem Flow, bei der Magie, die gerade in der Stunde herrscht – nämlich das Spüren der Dehnung in den Muskeln, das Öffnen in der Brust, die Erleichterung in den Schultern, die Dankbarkeit im Rücken, die Entspannung im Kopf…
    Was bringt eine schwierige Position, wenn sie nur durch Schmerz und Stress gehalten werden kann? Im besten Fall Müdigkeit und Erschöpfung, im schlimmsten – eine Verletzung..
    Natürlich ist ist ein gewisser Ehrgeiz wichtig, besonders wenn man in einer Stellunglänger verharrt oder immer wieder sanft an einer Übung arbeitet, die noch nicht gelingt. Aber dahinter steht nur eins:

    der Moment “Jetzt”, der Prozess des Zuhörens und Erkennens, was im Körper auf den unterschiedlichen Ebenen (physischen, mentalen, psychischen und energetischen) gerade abläuft, – das ist das Haupttraining, das stattfindet.

     

    Was heißt es, das Augenmerk würde beim Körpergefühl und nicht bei der Form liegen?

    Der Körper jedes einzelnen Menschen ist einmalig, unikal. Deswegen wird bei jedem Übenden eine und die selbe Stellung immer etwas unterschiedlich ausgeführt – es geht nicht anders.

    In Yoga-Sutra steht, dass eine Position sich bequem anfühlen soll und es soll möglich sein, sich in der Position zu entspannen. Also ist es wichtig in den Körper hinein zu spüren und zu realisieren, wie fühlt sich die Position an, wo gibt es Verspannungen oder Schmerzen, wie kann ich michentspannen, lockern, ohne dass ich die Position komplett verliere. UND DAS IST YOGA: den Körper, die Form, die Bewegung und den Atem zu vereinigen. Schließlich heißt Yoga übersetzt aus dem Sanskrit “Vereinigung”..

    Um den Körper besser wahrnehmen zu können, sollte man ihn in der ganz leichten Anspannung halten. Genau so wie bei einem Gummi: Man fühlt seine Elastizität, nur wenn man ihn genug auseinander zieht, sonst ist er schlapp.
    Beim Unterricht lernen wir viel darüber wie man den Körper in Anspannung bringt ohne ihn anzuspannen. Das ist eine innere sanfte Streckung. Dafür muss man die äußeren Punkte der Position finden und diese etwas auseinander ziehen, zu versuchen, diese Punkte von einander etwas zu entfernen. Zum Beispiel wenn man in Tadasana (Felsenposition) steht, drückt man mit den Füßen in den Boden und zieht mit dem Kopf leicht nach oben, auch die obere Brust wird leicht nach oben und der untere Rücken nach unten gezogen (somit wird die Wirbelsäule leicht gestreckt); die Schulterspitzen ziehen leicht auseinander nach rechts und links, die Fingerspitzen ziehen leicht nach unten.

    Jede Position wird zu einem Rätsel: Wie führe ich die Position so aus, dass ich zwar den Körper gut wahrnehmen kann, aber entspannt bleibe? Welche äußere Punkte hat die Position? Wie passt sie am Besten zu meinem Körper? Wie „öffne“ ich die Position noch mehr, sodass sie mir ihre wahre Wirkung zeigt – die Ruhe und die Kraft, die Energie und tiefen geistigen Frieden. Das erlernt man mit der Zeit und je feiner das Körpergefühl wird, desto tiefer kommt man in den Zustand des Yoga.

    Viel Spaß beim Üben!